Der US-Dollar bröckelt
Juli 25 – Dies zeigen die Zahlen der ersten Jahreshälfte 2025. Gegenüber dem Pfund verlor der US-Dollar 8%, gegenüber dem Euro 12%, und gegenüber dem Schweizerfranken gar 13%. Investoren haben zurzeit allen Grund zur Annahme, dass sich diese Schwächung fortsetzen könnte.
Zwei zentrale Faktoren sprechen dafür: Zum einen die zunehmende Staatsverschuldung der USA. Der Unwille der US-Regierung, das Budget-Defizit auszugleichen, in Kombination mit den gestiegenen US-Zinsen lässt den Schuldenberg fortlaufend anwachsen. Zum anderen beeinflussen die geldpolitischen Vorstellungen von Präsident Donald Trump die Erwartungen. Den aktuellen Fed-Präsidenten Jerome Powell bezeichnet Trump als Laie, der mit seiner Politik das Wirtschaftswachstum drossle, denn die kurzfristigen US-Zinsen (Fed Fund Rates) müssten bei 1% liegen (zurzeit bei 4.3%). Powells Amtszeit läuft im Februar 2026 aus, und Trump gedenkt bei dieser Gelegenheit seinen Sohn Erik als Fed-Präsidenten zur Wahl vorzuschlagen. Spätestens mit dem Ende Powells Amtszeit dürften also die erwünschten Zinssenkungen eintreffen. Vieles spricht also für einen schwächeren Dollar und Trump macht keinen Hehl daraus, dass er sich genau dies wünscht. Nur so könne die Transformation der USA zurück zu einer exportorientierten Industrienation erfolgreich sein.
Ist es nun also an der Zeit, den USD und andere Währungen abzusichern? Wir ordnen für Investoren mit Hauptwährung Schweizer Franken ein.
Schweizer Franken im historischen Kontext
Leitwährungen haben während den letzten 25 Jahren gegenüber dem Schweizerfranken stark an Wert verloren. Abbildung 1 zeigt, dass seit 1999 (also seit der Einführung des Euro) gegenüber dem Franken (CHF) der Euro (EUR) rund 40%, der US-Dollar (USD) 45% und der Yen (JPY) ganze 55% an Wert eingebüsst haben.

Schweizer Investoren verdienten umgerechnet in CHF deutlich weniger als Performancezahlen globaler Anlagen in den entsprechenden Lokalwährungen suggerieren. Abbildung 2 zeigt in blau, wieviel die drei Aktienindices Nikkei (Japan), Dax (Deutschland) und der S&P 500 (USA), seit 1999 pro Jahr in ihrer Lokalwährung an Rendite abgeworfen haben, und wieviel dem Schweizer Investor in CHF (grüne Balken) übrigblieb. Die Unterschiede sind frappant: Aus 4% lokaler Performance mit japanischen Aktien werden 0.9% in CHF, beim DAX schmilzt die Rendite von 6% auf 3.8% und in den USA von 8.1% auf 5.8%. Der Renditevorteil der US-Aktien zu den Schweizer Titeln (SPI) ist mit 0.8% pro Jahr überschaubar. Der CHF hat eine starke Entwicklung hingelegt. Bedeutet dies nun im Umkehrschluss, dass man mit einem Franken im Ausland deutlich mehr Güter kaufen kann?

Reale Kaufkraft: Ein anderes Bild
Die reale Entwicklung berücksichtigt die Unterschiede in den Inflationsraten zwischen den Währungsräumen. Wenn der EUR gegenüber dem CHF nominell 1% an Wert verliert, das Preisniveau in der Eurozone jedoch um 1% mehr zulegt als dasjenige der Schweiz, lohnt sich der Besuch der Schweizer im deutschen Supermarkt nicht mehr.
Die Entwicklung der Preisniveaus in Abbildung 3 veranschaulichen die unterschiedlich hohen Inflationsraten. Während Japan und die Schweiz über die letzten 25 Jahre eine kumulierte Inflation von 12% und 18% aufwiesen, erfuhren die USA eine Steigerung des Preisniveaus von 95% und die Eurozone eine von 74%.

Abbildung 4 zeigt, dass diese unterschiedlich hohen Inflationsraten einen grossen Teil der Währungsbewegungen erklären. Real betrachtet werteten sich der USD statt der nominellen 44% nur noch 8% und der EUR statt der 42% noch 15% gegenüber dem CHF ab. Kumuliert betrachtet lag in gewissen Perioden wie im Jahr 2022 sogar eine reale Aufwertung vor. Lediglich im JPY, wo die Inflationsraten über lange Zeit unterhalb denjenigen der Schweiz gelegen sind, ist die reale Abwertung sogar noch höher als die nominelle.

Zinsen als Erklärung - ein anderer Blickwinkel
Abbildung 5 zeigt, dass ein Schweizer Investor, welcher 1999 USD kaufte und diese zu einer risikolosen Verzinsung (früher zum Libor, heute zum SOFR) auf einem Konto hätte stehen lassen, umgerechnet in CHF nicht über 44% an Wert eingebüsst hätte, sondern noch 12%. Auch im EUR wären die Verluste nicht so dramatisch ausgefallen, wie das der nominelle Währungskurs EURCHF suggeriert.

Selbst wenn die Verluste im USD durch die Zinsen für einen Schweizer Investor teilweise ausgeglichen werden, sind es Verluste. Das Halten von Fremdwährungen hat keine Entschädigung abgeworfen. Sollte man folglich Währungen absichern?
Die Absicherung – Kosten und Chancen
Abbildung 6 illustriert die annualisierten Kosten der Währungsabsicherung über 1-Monats Forwards (Termingeschäft zum künftigen festen Preis). Die Zinsdifferenz zwischen zwei Währungen erklärt den Grossteil der Kosten. Die Schweiz hat zurzeit von den vier Währungsräumen die tiefsten Zinsen (SARON bei -0.05%). Folglich kostet die Absicherung zwischen 0.5% (YEN) und fast 5% (USD), abhängig von der Höhe der Zinsen in der abzusichernden Währung.

Bildlich gesprochen verkauft man bei einer Absicherung eine Einheit ausländische Währung, ist während der Absicherungsperiode den entsprechenden Zins schuldig und investiert in die heimische Währung und erhält den dort gültigen Zins. In den USA zahlt man also 4.5% US-Zins (Höhe des SOFRs) und erhält den CHF-SARON. In den letzten 25 Jahren war der CHF-Zins zu keinem Zeitpunkt höher als derjenige der USA oder der Eurozone, folglich entstanden durch die Absicherung immer Kosten. Anders im Yen, wo ein Schweizer Investor mit der Absicherung über weite Teile sogar Geld verdiente.

Lohnen sich Absicherungen? Ein Blick auf die Daten.
Abbildung 8 vergleicht die Performance der drei Aktienindices S&P 500, DAX und Nikkei mit und ohne Absicherung. Während im DAX und im Nikkei deutliche Vorteile zeigen, bringt die USD-Absicherung im S&P 500 kaum Mehrwert.
| Index (Währung) | Rendite unabgesichert p.a. (%) | Rendite abgesichert p.a. (%) | Volatilität unabgesichert p.a. (%) | Volatilität abgesichert p.a. (%) |
| S&P 500 (USD) | 5.8 | 6.0 | 16.7 | 15.2 |
| DAX (EUR) | 3.8 | 4.8 | 21.8 | 20.2 |
| Nikkei (JPY) | 0.9 | 4.4 | 18.2 | 18.4 |
In Tabelle 1 sind Renditen, Absicherungskosten und Volatilitäten zusammengefasst. Ergebnis: Eine Absicherung erhöhte über die analysierte Periode die Rendite und – mit Ausnahme des Yen – reduzierte auch das Risiko.

Was bedeutet das für Investoren?
Bei Obligationen ist die Währungsabsicherung offensichtlich. Nominal- und Couponzahlungen sind in einer Währung denominiert, diese gilt es nach Bedarf abzusichern. Komplexer verhält es sich bei den Aktien. Geht man nach der Kotierung einer Aktie, sind Unternehmen wie Roche oder Novartis in CHF denominiert. Folglich könnte man meinen, dass bei diesen kein Absicherungsbedarf besteht. Rund die Hälfte ihrer jeweiligen Umsätze werden jedoch in den USA und damit in USD erwirtschaftet. Besorgt um die Abwertung des USD könnte ein Schweizer Investor in Roche nun 50% der Investition gegen USD-Schwankungen absichern. Es gilt jedoch zu bedenken, dass die Unternehmen selbst gewisse Währungsabsicherungen tätigen. Die Identifikation des exakten Währungsrisikos ist folglich nicht trivial.
Überlegungen können sich unterscheiden je nach Investor:
- Institutionell: Für Pensionskassen und Freizügigkeitsdepots ist die Fremdwährungsquote gemäss BVV2 auf 30 % limitiert. Wer darüber hinaus global investiert, muss Währungen absichern. Zudem reduziert eine Absicherung die Volatilität – was sich positiv auf die Bildung von Wertschwankungsreserven auswirkt und die Handlungsspielräume erhöht.
Privat: Private haben hingegen weder beschränkende Fremdwährungsquoten, noch müssen sie sich über Wertschwankungsreserven Gedanken machen. Überlegungen zum Risiko- /Renditeprofil sind aber zentral. Die Absicherungsstrategie hängt vom Anlageziel, der Risikoneigung und den langfristigen Bedürfnissen ab.
To hedge or not to hedge?
Die Vergangenheit zeigt: Das Halten von Fremdwährungen war für einen Schweizer Investor selten von Vorteil. Dennoch ist eine pauschale Absicherung nicht automatisch sinnvoll. Vielmehr gilt es individuelle Faktoren - Kosten, Ziele, Risikotoleranz - genau zu analysieren. Wer global investiert muss in irgendeiner Form mit Währungsrisiken leben. Die Frage ist nicht ob – sondern wie man ihnen begegnet.
